Alte Reifen sind eine unterschätzte Unfallursache. Selbst mit noch ausreichendem Profil altert der Gummi – die Folgen: längere Bremswege, schlechteres Kurvenverhalten, höheres Platzerrisiko. So prüfen Sie Ihre Reifen richtig.
Wie alt sind Ihre Reifen? Die DOT-Nummer lesen
Jeder Reifen trägt an der Seite eine DOT-Nummer. Die letzten vier Ziffern geben Produktionswoche und -jahr an.
Beispiel: DOT 1223 = hergestellt in Kalenderwoche 12 des Jahres 2023.
Diese Ziffer steht in einer ovalen Umrandung – gerne auf der Innenseite des Reifens, also müssen Sie eventuell den Wagen drehen oder mit einem Spiegel prüfen.
Wie alt dürfen Reifen sein?
Es gibt keine gesetzliche Altersgrenze für Reifen an PKWs. Gängige Richtwerte:
- Neuwagen-Reifen: bis 6 Jahre unbedenklich
- Kaum bewegt, trocken gelagert: bis 10 Jahre nutzbar
- Ab 10 Jahren: Austausch dringend empfohlen – unabhängig vom Profil
- Bei Wohnmobilen und Anhängern: spätestens nach 6 Jahren tauschen
Versicherungsfälle zeigen klar: Reifen ab 10 Jahren erhöhen das Unfallrisiko deutlich.
Anzeichen für gealterte Reifen
- Feine Risse an Flanken und Profil
- Hart gewordener Gummi
- Vergilbung oder poröse Oberfläche
- Profiltiefe unter 3 mm (gesetzlich: 1,6 mm, empfohlen 4 mm Sommer / 6 mm Winter)
Profiltiefe richtig messen
Einfach mit einer 1-Euro-Münze: Liegt der goldene Rand der Münze sichtbar auf dem Profilgrund, sind Sie über 3 mm. Verschwindet der Rand im Profil, ist das Profil ausreichend. Hebt er sich deutlich heraus, sollten Sie tauschen.
Sommer-, Winter- oder Ganzjahresreifen?
- Sommerreifen: April–Oktober, ab 7 °C aufwärts
- Winterreifen: November–März („von O bis O”), Pflicht bei winterlichen Straßenverhältnissen (§ 2 Abs. 3a StVO)
- Ganzjahresreifen: Kompromiss, sinnvoll in Regionen mit mildem Winter
Das Alpine-Symbol (drei Berge mit Schneeflocke) ist seit 2024 Pflicht für wintergeeignete Reifen.
Wer haftet bei Unfall mit alten Reifen?
Sind Ihre Reifen beim Unfall sichtlich gealtert, porös oder zu wenig profiliert, kann die Versicherung:
- Eigene Leistungen kürzen (grobe Fahrlässigkeit)
- Ihnen einen Mitverschuldensanteil zuordnen
- Den Haftpflichtschaden Ihres Unfallgegners kürzen
Besonders kritisch: Sommerreifen bei Schnee oder Glätte.
Kauftipps für neue Reifen
- Aktuelle Produktion (DOT nicht älter als 12 Monate)
- Geprüft: ADAC-, TCS- oder ÖAMTC-Tests ansehen
- Passende Freigabe laut Fahrzeugschein (Größe, Load-/Speed-Index)
- Qualität statt Billigimport (Bremsweg, Laufleistung)
Reifen richtig lagern
- Trocken, kühl, dunkel
- Felgen stehend oder Reifen stehend auf Felge
- Druckverlust ausgleichen vor Wiedereinsatz
Unfallpaten hilft nach Unfall
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